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Peter Schneider
Paarungen
Roman

Rowohlt, Reinbek 1994
ISBN 9783499134937
Euro 7,50

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Inhalt

"Die Stadt, die Peter Schneider in seinem Roman porträtiert, gibt es so nicht mehr: ein zerstrittenes Paar, durch eine Mauer hermetisch in Ost und West getrennt, ein Menetekel, ein gespaltener Moloch, aus dem die Geschichte sich für eine Weile verabschiedet zu haben scheint. Im Schatten der berüchtigten Trennmauer aber reproduziert sich zwanghaft das Motiv von Paarung und Trennung. »Am seltsamsten war, daß die Bewohner ihren Mauertick nicht zu bemerken schienen. Als führten sie mit ihrem rastlosen Teilen und Trennen ein Muster aus, das in ihre Seele eingeprägt war.«

Auch in der Liebe wütet ein Trennungsvirus, und niemand scheint dagegen gefeit. Drei Freunde, Stammgäste einer der unzähligen Stammkneipen im Zentrum der westlichen Halbstadt, tauschen ihre Erfahrungen aus. Eduard, Biochemiker, lebt in getrennten Wohnungen und scheinbar stabiler Beziehung mit Klara, bis ihn eines Tages Zweifel an seiner Liebesfähigkeit befallen. Theo, Schriftsteller und offizieller »Mauerspringer« von »drüben«, nutzt seinen Doppelpaß zu bequemen Fluchten und Ausfluchten, bevor die Stasi seiner hinhaltenden Beziehung zu Pauline ein Ende setzt. André, international gefragter Komponist, stürzt sich, Rettung aus dem eigenen Beziehungschaos suchend, in eine Ehe, die die Hochzeit nicht übersteht.

Sind sie Opfer oder Täter? Versuchspersonen bei einem Experiment, dessen Ausgang noch niemand absehen kann? Festzustehen scheint nicht mehr, als daß die alten Rituale und Institutionen der Liebe überlebt sind, neue aber noch nicht gefunden. Eine paradoxe Situation: Jede Art und Abart der Liebe ist wissenschaftlich erforscht und wird öffentlich debattiert, Konjunkturritter bieten täglich neue Therapieformeln an, und doch herrscht über das Zusammenleben der Geschlechter größere Ratlosigkeit als je zuvor. Peter Schneider, dessen »Lenz« ein Kultbuch der neuen Linken war, der mit »Mauerspringer« die Mauer im Kopf dingfest gemacht hat, nimmt mit »Paarungen« ein Thema auf, dem die neuere deutsche Literatur sonst allenfalls mit Subjektivismus begegnet. Mit Scharfsinn, mit Witz und Betroffenheit geht er der Frage nach, wie jene Generation, die 1968 radikal mit den Vätern abrechnete, mit der Liebe umgeht."

Bewertung

Dauerhaft ist nur die Trennung titelte das Nachrichtenmagazin Der Spiegel im Jahr 1991. Ein Jahr später erschien die Originalausgabe des Romans Paarungen, der Das ganz normale Chaos der Liebe am Beispiel der so genannten Single-Hauptstadt Berlin vorführt.

Peter Schneider gehört wie Ulrich Beck zur 68er-Generation, weswegen der Roman auch als Generationenporträt verstanden worden ist. Die Liebesgeschichtsschreibung der 68er wurde erst in letzter Zeit von der Generation Golf in Frage gestellt.

Der Roman von Peter Schneider spielt noch vor dem Mauerfall und verkörpert damit die inzwischen als Nischen-Existenz diffamierte Bonner Republik, die dem neuen Zeitgeist der Generation Reform (Paul Nolte) gewichen ist.

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