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Inhalt
"Die Stadt,
die Peter Schneider in seinem Roman porträtiert, gibt es so
nicht mehr: ein zerstrittenes Paar, durch eine Mauer hermetisch
in Ost und West getrennt, ein Menetekel, ein gespaltener Moloch,
aus dem die Geschichte sich für eine Weile verabschiedet zu
haben scheint. Im Schatten der berüchtigten Trennmauer aber
reproduziert sich zwanghaft das Motiv von Paarung und Trennung.
»Am seltsamsten war, daß die Bewohner ihren Mauertick nicht zu
bemerken schienen. Als führten sie mit ihrem rastlosen Teilen
und Trennen ein Muster aus, das in ihre Seele eingeprägt war.«
Auch in der
Liebe wütet ein Trennungsvirus, und niemand scheint dagegen
gefeit. Drei Freunde, Stammgäste einer der unzähligen
Stammkneipen im Zentrum der westlichen Halbstadt, tauschen ihre
Erfahrungen aus. Eduard, Biochemiker, lebt in getrennten
Wohnungen und scheinbar stabiler Beziehung mit Klara, bis ihn
eines Tages Zweifel an seiner Liebesfähigkeit befallen. Theo,
Schriftsteller und offizieller »Mauerspringer« von »drüben«,
nutzt seinen Doppelpaß zu bequemen Fluchten und Ausfluchten,
bevor die Stasi seiner hinhaltenden Beziehung zu Pauline ein
Ende setzt. André, international gefragter Komponist, stürzt
sich, Rettung aus dem eigenen Beziehungschaos suchend, in eine
Ehe, die die Hochzeit nicht übersteht.
Sind sie
Opfer oder Täter? Versuchspersonen bei einem Experiment, dessen
Ausgang noch niemand absehen kann? Festzustehen scheint nicht
mehr, als daß die alten Rituale und Institutionen der Liebe
überlebt sind, neue aber noch nicht gefunden. Eine paradoxe
Situation: Jede Art und Abart der Liebe ist wissenschaftlich
erforscht und wird öffentlich debattiert, Konjunkturritter
bieten täglich neue Therapieformeln an, und doch herrscht über
das Zusammenleben der Geschlechter größere Ratlosigkeit als je
zuvor. Peter Schneider, dessen »Lenz« ein Kultbuch der neuen
Linken war, der mit »Mauerspringer« die Mauer im Kopf dingfest
gemacht hat, nimmt mit »Paarungen« ein Thema auf, dem die neuere
deutsche Literatur sonst allenfalls mit Subjektivismus begegnet.
Mit Scharfsinn, mit Witz und Betroffenheit geht er der Frage
nach, wie jene Generation, die 1968 radikal mit den Vätern
abrechnete, mit der Liebe umgeht."
Bewertung
Dauerhaft
ist nur die Trennung titelte das Nachrichtenmagazin Der
Spiegel im Jahr 1991. Ein Jahr später erschien die
Originalausgabe des Romans Paarungen, der
Das ganz normale Chaos der Liebe am Beispiel der so
genannten Single-Hauptstadt Berlin vorführt.
Peter
Schneider gehört wie Ulrich Beck zur 68er-Generation,
weswegen der Roman auch als Generationenporträt verstanden
worden ist. Die
Liebesgeschichtsschreibung der 68er wurde erst in
letzter Zeit von der Generation Golf in Frage gestellt.
Der Roman von
Peter Schneider spielt noch vor dem Mauerfall und verkörpert
damit die inzwischen als Nischen-Existenz diffamierte Bonner
Republik, die dem neuen Zeitgeist der Generation Reform
(Paul Nolte) gewichen ist.
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